Image and video hosting by TinyPic

A Visit to the Food Stamps Office, Wonderlane/Flickr

"…jede Expansionsphase ist mit der An- oder Ausrufung einer neuen Ära verbunden. Das waren einmal die New Economy und der Neue Markt, die dann 2000 kollabierten. Man darf nicht vergessen, in den goldenen Jahren dieser neuen Ökonomie, in den neunziger Jahren, glaubte man tatsächlich an ewiges Wachstum, an das Ende der Wirtschaftszyklen, an das Ende der Geschichte überhaupt. Die Liberalisierung der Märkte hat einen eigentümlichen Somnambulismus erzeugt."

[…]

"Einerseits gibt es heute weltweit mehr Millionäre und mehr Vermögen in deren Händen als vor der Krise. Andererseits waren 2010 53 Millionen Menschen zusätzlich unter die absolute Armutsgrenze geraten, die Spekulation auf den Agrarrohstoffmärkten hat diese Zahl seitdem vervielfacht. In den USA lässt sich das System recht gut besichtigen: eine verrottete Infrastruktur, 44 Millionen Amerikaner beziehen Lebensmittelmarken, ganze Großstädte […] können keine öffentliche Verwaltung, keine Polizei oder Feuerwehr mehr finanzieren. Und aufgrund der Einkommensverteilung weisen die USA unter den Industriestaaten nun die geringste Rate an sozialer Mobilität auf, von unten nach oben. Außerdem hat mit der Verschuldung öffentlicher Haushalte die nächste Runde der Krise gerade erst begonnen."

[…]

"Als die US-Bonität am Freitag letzter Woche herabgestuft wurde, sagten Vertreter von Standard & Poor’s recht unverblümt: Die USA sollten schnell die überflüssigen Sozialprogramme abbauen. So spricht das Orakel, die perfide Unschuld des Markts. Die aktuelle Kaskade von Krisen hat einen illustrativen Wert: Es geht nicht bloß um die Bewältigung ökonomischer Probleme, es herrscht vielmehr ein Kampf um den Ort und die Verteilung politischer Entscheidungsmacht.”

—Interview mit Joseph Vogl in Die Zeit (11. August 2011) (momentan noch nicht online)